Verschiedene Blickwinkel auf den "Grundstein" unserer Autonomie

05.09.2026, 13:45

80 Jahre Pariser Vertrag (8/8): Historische Einordnungen, diplomatische Analysen und persönliche Zugänge in der Jubiläumsbroschüre des Landes

Anlässlich der Feier zum 80. Jubiläum des Pariser Vertrags hat das Land Südtirol eine Broschüre mit den Details zu diesem bedeutenden Abkommen veröffentlicht. (Foto: LPA/Maurizio Di Giangiacomo)
Anlässlich der Feier zum 80. Jubiläum des Pariser Vertrags hat das Land Südtirol eine Broschüre mit den Details zu diesem bedeutenden Abkommen veröffentlicht. (Foto: LPA/Maurizio Di Giangiacomo)

MERAN (LPA). Historische, rechtliche und internationale Perspektiven auf den Pariser Vertrag vereint die neue Broschüre des Landes Südtirol zum 80. Jahrestag des Gruber-De-Gasperi-Abkommens. Zu Wort kommen Experten wie Carlo Romeo, Hans Heiss, Walter Obwexer und Esther Happacher, die Diplomaten Gregor Schusterschitz und Fernand de Varennes sowie die Südtiroler Journalistin Lilli Gruber

Die Publikation wurde von der Agentur für Presse und Kommunikation auf Anregung von Landeshauptmann Arno Kompatscher herausgegeben. "Unsere Idee war es, die Bedeutung und Tragweite des Pariser Vertrags aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten: historisch, juridisch und gesellschaftspolitisch, aber auch im Lichte des Völkerrechts und aktueller Entwicklungen", unterstreicht Abteilungsdirektorin Claudia Messner.

Die Perspektive der Historiker

Carlo Romeo zeigt auf, dass das bilaterale Abkommen zwischen zwei Ländern, die als Verlierer aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgegangen waren, auf internationaler Ebene wichtige Grundsätze verankerte.

Hans Heiss nimmt das Abkommen von 1946 zum Ausgangspunkt für einen Streifzug durch die Südtiroler Geschichte. In Zehnjahresschritten zeichnet er die Entwicklung nach und wagt schließlich sogar eine Prognose für die Zukunft.

Werner Pescosta richtet den Blick auf die ladinische Minderheit. Sie war im De-Gasperi-Gruber-Abkommen nicht berücksichtigt worden und erhielt erst in weiterer Folge umfassendere Formen des Schutzes.

Der Pariser Vertrag von außen betrachtet

Der österreichische Botschafter Gregor Schusterschitz betont in seinem Beitrag, dass das Abkommen zwar seinerzeit von vielen als unzureichender Ersatz für das ersehnte Selbstbestimmungsrecht angesehen wurde, sich langfristig aber als solide Grundlage für eine friedliche Lösung der Südtirolfrage erwiesen hat. 

Fernand de Varennes, ehemaliger Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen, erklärt im Interview, dass der Erfolg der Südtiroler Autonomie auf Inklusion, Verhältnismäßigkeit, Gleichbehandlung und dem Schutz der Sprachen beruhe. Er regt an, die Erfahrungen Südtirols als Modell für die Lösung internationaler Minderheitenkonflikte zu teilen.

Zwei besondere Einblicke

Walter Obwexer und Esther Happacher widmen sich dem diplomatischen Notenwechsel zwischen Italien und Österreich nach der Streitbeilegungserklärung 1992. Sie zeigen auf, wie sich aus der Lösung der internationalen Kontroverse eine besondere Form der bilateralen Zusammenarbeit entwickelte.

Einen persönlichen Blick auf die Geschichte des Pariser Vertrags eröffnet die Journalistin Lilli Gruber. In ihrem Beitrag fordert sie aufgrund ihrer Erfahrungen als Südtirolerin in Verona und später in Rom auf, Sprache und Kultur als Schlüssel für ein gutes Miteinander zu begreifen.

Die Publikation "80 Jahre Pariser Vertrag 1946-2026" findet sich online in der Bibliothek zur Autonomie in den drei Sprachen deutschitalienisch und ladinisch.

mdg/kat